S. Winkler: Hier stellt sich natürlich immer die Frage: Was ist für wen ein Megatrend? Nehmen wir noch einmal den Fachkräftemangel, verbunden mit dem technologischen und demografischen Wandel. Durch unsere maximale Offenheit sind unsere Kunden flexibler in der Anwendung dieser Technik; sie sind agiler und erreichen eine schnellere Time-to-Market. Der technologische Stand unseres Automatisierungssystems verschafft unseren Anwendern eine größere Wettbewerbsfähigkeit. Nehmen wir als weiteres Beispiel das Thema IT-Security: Wir haben diese Plattform quasi auf der grünen Wiese neu erschaffen. Vor dem Hintergrund des Cyber Resilience Act müssen wir Industriesteuerungen ständig sicher halten. Das kann unsere Plattform per se. Und auch dem Nachhaltigkeitsaspekt tragen wir Rechnung. Das reicht von der transparenten Gestaltung der Daten für das Energiemanagement bis zu den klassischen Themen, die wir mit ctrlX Drive mit dem Smart Energy Mode und ähnlichen Funktionalitäten, abdecken. 

Dem Thema Nachhaltigkeit tragen wir zudem mit der Langlebigkeit unserer Produkte Rechnung. Und wir unterstützen unsere Komponenten über einen Lebenszyklus von 25 Jahren. Hinzu kommen Mechanismen und Tools, die zur Verlängerung der Lebensdauer beitragen. Und, wir haben uns den Ansatz zu eigen gemacht: Ein Auto wird besser, je länger man es fährt. Anders ausgedrückt: Die Funktionalität steigt über die Lebensdauer durch Software-Updates. Das bieten wir mit ctrlX Automation auch. Unsere Kunden können auch in fünf Jahren noch neueste Software auf unsere Industriesteuerungen ctrlX Core aufspielen. Das ist ein weiterer Aspekt: Mit ctrlX Automation folgen wir technologisch dem Smartphone-Prinzip: Software kann nachträglich geladen werden, ohne das ursprüngliche Anwendungsprogramm zu zerstören oder überhaupt in Abhängigkeit dazu zu stehen. Dadurch kann eine Industriesteuerung bzw. Automatisierungslösung länger im Einsatz bleiben. 

Und last, but not least, ist Resilienz ein wichtiges Stichwort. Alle Komponenten unserer Plattform sind noch relativ jung. Beim Bauteile-Sourcing haben wir großen Wert auf die Herkunft von Chips und auf Redundanzen gelegt. Wir selbst sind bestrebt, alle unsere Plattformprodukte ebenfalls redundant zu produzieren. Den Blick nach vorne gerichtet wollen wir optimal agieren.

Generative KI zählt aktuell zu den großen Hypethemen. Einige Automatisierer haben beispielsweise ihre Engineering-Tools um Copilots ergänzt. Ist das bei Bosch Rexroth ein Thema?  

S. Winkler: Ja, das ist es. Hier muss man allerdings differenzieren. Wir sehen, dass solche Tools zunehmend im Engineering bis hin zur Softwareerstellung eingesetzt werden. Wenn es um die automatisierte Softwareerstellung geht, sind wir bei Bosch Rexroth sehr restriktiv im Sinne von Qualitätssicherung. Denn: Eine manipulierte KI könnte beispielsweise eine Backdoor in der Software integrieren. Aus diesem Grund sind wir bei der Anwendung solcher Technologien vorsichtig und bauen qualitätssichernde Mechanismen ein. Ein weiteres großes Betätigungsfeld sehen wir darin, die Anwendung von Automatisierung zu vereinfachen. Also dem Anwender Hilfestellung bei Fragen zu geben, die etwa lauten können: Wie konfiguriere ich eine ctrlX Core oder wie behebe ich den Fehler xy. Neben der Antwort liefert die KI Quellenhinweise bzw. macht Angaben zu weiterführenden Informationen. An solchen Lösungen arbeiten wir aktuell.

Damit sind wir schon bei den Next Steps angelangt. „Next Steps into Future“ lautet auch das Motto unseres openautomation-Jubiläumsjahres. Bitte geben Sie abschließend noch einen Ausblick, welche weiteren nächsten Schritte auf Ihrem Plan stehen.

S. Winkler: Wir haben noch sehr, sehr viele Ideen – und nicht nur wir, sondern auch unsere Partner. Konkret gilt es für uns, in den drei erwähnten Dimensionen, also ctrlX Automation, ctrlX World und ctrlX OS deutlich ins Wachstum und in die Skalierung zu gehen. Das heißt, wir werden unser Automatisierungssystem weiter ausbauen. Zuletzt hatten wir es rund um Antriebe und das IO-Portfolio erweitert. Zwei neue Transportsysteme sind hinzugekommen. Bei ctrlX World werden wir neue spannende Partner gewinnen. Parallel hoffen wir, dass es ähnliche Partnerschaften wie jene mit Kuka geben wird. So ist Kuka nicht alleine ein Ökosystem-Partner, sondern wir haben auch unsere Ökosysteme miteinander verbunden. Wir haben großes Interesse an einer friedlichen Koexistenz der Ökosysteme, weil Kunden davon am meisten profitieren. Und das Spannendste in Zukunft wird sicherlich sein zu erleben, welche neuen ctrlX-OS-Anwender noch dazukommen.  

Das Interview ist im Rahmen der #WeLiveOpenAutomation-Kampagne entstanden. 

Inge Hübner
3 / 3

Ähnliche Beiträge