Roundtable-Diskussion (v. l.): Anahita Sadjjadi (Schneider Electric), Olaf Pein (Murrelektronik), Dr. Tobias Frank (Phoenix Contact), Markus Sandhöfner (Lenze), Inge Hübner (openautomation), Ronald Heinze (openautomation), Steffen Winkler (Bosch Rexroth), Rahman Jamal (Thought Leader), Volker Vogler (Mitsubishi Electric), Tom Roca (Wago), Dr. Thomas Bürger (Weidmüller)

Roundtable-Diskussion (v. l.): Anahita Sadjjadi (Schneider Electric), Olaf Pein (Murrelektronik), Dr. Tobias Frank (Phoenix Contact), Markus Sandhöfner (Lenze), Inge Hübner (openautomation), Ronald Heinze (openautomation), Steffen Winkler (Bosch Rexroth), Rahman Jamal (Thought Leader), Volker Vogler (Mitsubishi Electric), Tom Roca (Wago), Dr. Thomas Bürger (Weidmüller) (Quelle: VDE VERLAG)

Gestartet wurde der Exchange Day mit einem Impulsvortrag von Thought Leader Rahman Jamal. Er brachte den Ball rund um Co-Creation ins Rollen mit seiner Aussage: „Co-Creation ist ein Begriff, der vielfach verwendet wird, aber jeder versteht etwas anderes darunter. Da steckt dieses ‚Co‘ drin: Co-Design, Co-Production, Cooperation. Alles, was nach Zusammenarbeit klingt, wird schnell als Co-Creation etikettiert.“ Aber die entscheidende Frage bleibe oft unbeantwortet: „Wie misst man Co-Creation eigentlich? Woran erkennt man, ob ein Co-Creation-Ansatz wirklich funktioniert und wann ist es ein erfolgreiches Modell?“

Den Ball nahm Olaf Prein, Leiter Global Business Unit Automation bei Murrelektronik, direkt auf. „Wir haben allein hier am Tisch drei Vertreter mit einem eigenen offenen Betriebssystem und da draußen gibt es noch viele weitere. Damit beginnt die Fragmentierung doch schon“, spielte er auf ctrlX OS von Bosch Rexroth, PLCnext Technology von Phoenix Contact und u-OS von Weidmüller an. In der Cloud sei es ähnlich: „Dort müssen wir uns an verschiedene Cloudanbieter sowie ihre Services adaptieren und Einigkeit fehlt auch hier“, so O. Prein. Als Frage warf er in die Runde: „Warum schaffen wir es nicht, zumindest beim Thema OS stärker zu vereinheitlichen?“

Als erster angesprochener Vertreter antwortete Dr. Tobias Frank, Vice President Automation Systems bei Phoenix Contact: „Die Basis ist bei vielen ohnehin Linux – der kleinste gemeinsame Nenner ist also eigentlich vorhanden.“ Er schmunzelte und fügte noch etwas zugespitzter an: „Wir reden über Co-Creation und am Ende haben viele von uns sehr ähnliche Dinge parallel selbst gebaut."

„Da möchte ich ein Stück weit widersprechen“, meldete sich Dr. Thomas Bürger, Executive Vice President Automation Products & Solutions bei Weidmüller, zu Wort. „Der Kern offener Systeme ist doch, dass sie miteinander interagieren können. Und Co-Creation beginnt aus meiner Sicht nicht erst beim gemeinsamen Produkt, sondern schon viel früher, nämlich bei der Standardisierung.“ Als Beispiel nannte er die Spezifizierung von Schnittstellen und Steckern etwa im Kontext von SPE. „Gleiches gilt für Veranstaltungen wie OPC-UA-Plugfeste: Da entsteht Zusammenarbeit ganz konkret, weil Interoperabilität praktisch erprobt und gemeinsam vorangebracht wird“, ist seine Überzeugung.

Streaming-Anbieter als Vorbild?

Ronald Heinze, Chefredakteur openautomation, stellte die konkrete Frage in den Raum: Wie offen ist offen genug? und zog eine Parallele zur Musikindustrie: „Früher gab es Kassetten, CDs, Schallplatten – alles extrem proprietär. Dann kam der Zwischenschritt mit MP3, dank dem Dateien auf verschiedenen Plattformen ausgetauscht werden konnten. Jetzt haben wir Streaming: Wir können Musik und Filme sehen und hören – überall, wo und wie und wann es beliebt.“

„Ja, allerdings haben wir auch unterschiedliche Streaming-Anbieter“, wirft Steffen Winkler, Vertriebsleiter der Business Unit Automation & Electrification Solutions bei Bosch Rexroth, lachend ein.

R. Heinze fährt fort: „Das ist im Automatisierungsbereich ähnlich: Dort gibt es quasi unterschiedliches Streaming mit dem Computer. Wie schafft man hier Optimierung im Sinne eines Austauschs untereinander?“

S. Winkler antwortet: „Bei unseren Betriebssystemen handelt es sich um offene Systeme! Beispielsweise können PLCnext Technology und ctrlX OS über Kommunikationsstandards wie OPC UA miteinander kommunizieren.“ Zudem habe man heute schon gemeinsame Entwickler auf beiden Plattformen. „Also ähnlich wie bei Android und iOS ist für beide Plattformen die gleiche Applikationssoftware verfügbar. Der Anwender hat sogar die Möglichkeit, die gleiche Software auf jeder Plattform zu nutzen. Und das ist ein Riesenfortschritt.“

„Da stimme ich komplett zu“, so Dr. T. Frank. Mit Blick auf die Streaming-Welt zeigte er auf: „Der eine hört Metallica, der andere Taylor Swift. Im Automatisierungsumfeld möchte der eine Kunde vielleicht Ethercat und ein anderer Profinet nutzen. Das Entscheidende ist doch, dass die meisten Streaming-Plattformen ein standardisiertes Format einsetzen. Auch unsere Anwender interessiert nicht, welche Linux-Variante wir verwenden oder welche Container-Schnittstelle. Am Ende des Tages muss es funktionieren“, erläuterte Dr. T. Frank. Aus seiner Sicht ist der Pain Point für den Anwender die Softwareentwicklung. „Kunden haben in diese Mannjahre investiert. Die Investitionen müssen gesichert werden. Dementsprechend müssen wir bei unseren offenen Plattformen ermöglichen, dass der Anwender wieder die Hoheit über seine Software erlangt.“ Deshalb werde man niemanden in Richtung IEC 61131 oder IEC 61499 drängen. „Der Anwender muss selbst entscheiden können, wie er seine Software entwickelt. Damit hat er dann auch wieder die Wahl zwischen unterschiedlichen Plattformen.“

Tom Roca, Vice President Automation Technology bei Wago, verweist darauf, dass Wago aktuell drei unterschiedliche Betriebssysteme in seinen verschiedenen Controllern verwende. „Was uns bislang fehlt, ist die Standardisierung des Package-Managements“, stellte er fest. „Das heißt, der Kunde muss seine Softwareapplikationen aktuell dreimal entwickeln. Das wäre vielleicht auch ein Co-Creation- oder Kooperationsthema: ein standardisiertes Package-Management.“

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